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Landgut Walkemühle

Ederstraße 20

D-35066 Frankenberg / Eder

+49 (0) 64 51 / 23 02 64-0
Textile Geschichte in Frankenberg/Eder

660 Jahre gelebte Historie

Nähert man sich Frankenberg von Norden kommend über die Straße entlang der Eder, fällt der Blick auf die malerisch am Walkegraben gelegene Walkemühle. Die Mühle und ihre Nutzung sind untrennbar mit der Geschichte der Stadt verbunden.

Im Jahr 1358 wurde sie das erste Mal urkundlich erwähnt, damals war sie noch Kornmühle. Erst später wurde sie zur Walkemühle. Noch vor wenigen Jahrzehnten betrieben die damaligen Inhaber eine Spinnerei und Kämmerei.

Seit ihrer aufwendigen Renovierung in den Jahren 2007 bis 2010  stellt sie nun neben Rathaus, Steinhaus und der Liebfrauenkirche ein weiteres mittelalterliches Wahrzeichen der Stadt dar.

Allerdings erfüllt das Mühlrad heute einen neuen Zweck: Es treibt einen Generator an, der jährlich rund 80.000 kWh elektrische Energie erzeugt. Damit ist die fast 660 Jahre alte Walkemühle energetisch auf dem neuesten Stand.

Zum ökologischen Konzept gehört in Kooperation mit Naturschutzverbänden auch die Anlage einer Fischtreppe im Walkegraben, die den Fischen ihre natürlichen Wanderbewegungen ermöglicht. Der Walkegraben fließt direkt am Mühlengebäude und Hofgarten vorbei, sodass unsere Gäste die einmalige „Mühlen-Atmosphäre“ genießen können.

Ungefähr seit dem 12. Jahrhundert gibt es Walkemühlen in Europa. Hier wird nicht wie bei einer Kornmühle mit Hilfe von Mühlsteinen Korn gemahlen, sondern Wollstoffe verarbeitet. Das Walken mit einer „Walke“ (auch bezeichnet als Dickmühle, Filzmühle oder Lochwalke) ist eine seit dem Hochmittelalter eingesetzte Technologie, mit deren Hilfe die Verarbeitung, Verdichtung und Veredelung von Geweben bei der Herstellung von Walkstoffen verbessert wurde. Das Wollgewebe (Loden) wird in einer Walkmühle in Bottichen durch Holzhämmer, die über eine Welle und eine Schwinge von einem Wasserrad angetrieben werden, gewalkt, also gestaucht, verdichtet und geklopft, bis ein verfilzter Stoff entsteht, der wärmende sowie regen- und windabweisende Eigenschaften besitzt.

Walkmühlen haben das Walken mit den Füßen ersetzt, mit dem früher frisch gewebte Wolltücher durch Stoßen, Strecken und Pressen gereinigt und an der Oberfläche verfilzt wurden. Eine Walkmühle konnte bis zu 40 Fußwalker ersetzen, was zu massiven sozialen Problemen führte. Sie wurden deshalb – aber auch weil fußgewalkte Stoffe von besserer Qualität waren – teilweise verboten.

Frankenberg war im Mittelalter das Zentrum des hessischen Tuchhandels. Die Walkemühle zeugt noch heute davon.